„…und dann herrscht Schweigen" - Wie aus Fragen ein echter Dialog mit Studierenden wird

Sie stellen eine Frage in den Raum und nichts passiert. Betretene Stille, gesenkte Blicke, oder es melden sich immer nur dieselben drei Hände. Manchmal ist es genau umgekehrt: Eine Studentin oder ein Student stellt eine Frage, die Sie aus dem Konzept bringt, die Sie gerade nicht beantworten können oder die vor allem provozieren soll. Beide Situationen kennen fast alle Lehrenden.
Das Seminar arbeitet an genau diesen beiden Richtungen: an Ihren Fragen an die Studierenden und an den Fragen der Studierenden an Sie. Im Mittelpunkt steht Ihre eigene Sicherheit im Umgang damit: wie Sie fragen, wie lange Sie warten, wie Sie reagieren und wie Sie dabei im Raum stehen, schauen und sprechen.
Für welche Lehrsituation ist das Seminar gedacht?

Bezugspunkt ist die Seminarsituation: Seminare, Übungen und Tutorien mit etwa 6 bis 30 Studierenden, in Präsenz und bei normaler Bestuhlung. Alles, was wir zeigen, funktioniert ohne Umbau des Raums und ohne besondere Technik. Wer im Hörsaal lehrt, nimmt Übertragbares mit: Die Murmelgruppe und ein Classroom-Response-System funktionieren dort ebenso, die Beispiele und Übungen stammen jedoch aus der Seminarsituation.


Was Sie mitnehmen

  • Ein Repertoire an Fragetypen und die Sicherheit, sie bewusst zu wählen: Womit öffne ich ein Thema, womit prüfe ich Verständnis, womit lade ich zum Widerspruch ein? Und warum die häufigste Lehrendenfrage („Gibt es noch Fragen?") fast immer ins Leere läuft.
  • Konkrete Methoden für den Moment, in dem auf eine Frage keine Antwort kommt und die Einschätzung, welche davon zu Ihrer Gruppengröße passt.
  • Eine Reaktionsroutine für schwierige Fragen: für provokante Fragen, für Fragen, die Sie inhaltlich nicht beantworten können, und für Fragen, hinter denen etwas anderes steckt als eine Wissenslücke. Grundlage ist das Vier-Ohren-Modell von Friedemann Schulz von Thun, mit dem Sie eine Frage einordnen können, bevor Sie antworten.
  • Rhetorische Grundlagen für die Fragesituation: Blickkontakt, Standort im Raum, Körperhaltung, Stimme und Pause – Signale, die darüber entscheiden, ob eine Frage als echte Einladung ankommt.
  • Übung: Sie haben schwierige Fragesituationen im geschützten Rahmen tatsächlich gesprochen, nicht nur besprochen, und dazu Rückmeldung von den anderen Teilnehmenden bekommen.


Konkrete Methoden – ein Vorgeschmack

Sie lernen die Methoden nicht nur kennen, sondern erleben sie als Teilnehmende und werten anschließend aus, was sie bewirkt haben. Drei Beispiele:

  • Frage – Impuls – dieselbe Frage noch einmal: Sie stellen eine Frage, fordern aber keine sofortige Antwort ein, sondern geben einen kurzen inhaltlichen Impuls und greifen die Frage danach erneut auf. Wer beim ersten Mal nichts zu sagen wusste, hat jetzt etwas zu sagen. Dazu gehört die gezielte Wartezeit: die drei bis fünf Sekunden Stille, die die meisten Lehrenden zu früh abbrechen (Rowe 1986).
  • Murmelgruppe: zwei Minuten zu zweit, dann ins Plenum. Die erste Äußerung fällt gegenüber einer Person statt gegenüber dreißig und wer danach etwas sagt, spricht für ein gemeinsames Ergebnis, nicht für sich allein.
  • Classroom-Response-System: Wo Wortmeldungen zu exponiert sind, macht eine anonyme Abstimmung ein Meinungsbild sichtbar und liefert den Gesprächsanlass gleich mit.

Weitere Methoden – unter anderem den Speicher für Fragen, die Sie gerade nicht beantworten können – lernen Sie vor Ort kennen und wählen aus, was zu Ihrer Veranstaltung passt.


Wie wir arbeiten

Im Zentrum steht das Üben in echten Gesprächssituationen miteinander. Kurze Impulse rahmen die Übungsphasen, gesprochen wird in Paaren und Kleingruppen, und im Anschluss geben sich die Teilnehmenden gegenseitig Rückmeldung. Geübt wird auf zwei Arten: an vorbereiteten Situationen, die alle kennen, und an Situationen aus Ihrer eigenen Erfahrung, die Sie mitbringen. Was Sie dabei ausprobieren, nehmen Sie unmittelbar in Ihre eigene Lehre mit; zum Weiterüben stellen wir am Ende den KI-Avatar des ZHL vor, mit dem Sie solche Situationen auch allein durchspielen können.
Vorkenntnisse sind nicht nötig, alle Fachrichtungen sind willkommen. Die Teilnehmendenzahl ist auf 8 Personen begrenzt, damit alle ausreichend Redezeit zum Üben haben.

Literaturhinweise (zur Vertiefung, keine Voraussetzung): 

- 
Rowe, M. B. (1986). Wait Time: Slowing Down May Be A Way of Speeding Up! Journal of Teacher Education, 37(1), 43–50.

- 
Schulz von Thun, F. (1981). Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen: Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Rowohlt.

 
Inhaltliche Stichpunkte (Inhalte des Seminars in Kurzform, 3-5 Stichpunkte): 

  • Fragetechniken: Fragetypen bewusst wählen, Wartezeit nutzen, aktiv zuhören und weiterfragen
  • Was tun, wenn keine Antwort kommt: Frage – Impuls – Frage, Murmelgruppe, Classroom-Response-System
  • Umgang mit schwierigen, provokanten und unbeantwortbaren Fragen mit dem Vier-Ohren-Modell nach Schulz von Thun
  • Rhetorische Grundlagen: Blickkontakt, Standort im Raum, Körpersprache, Stimme und Pause
  • Üben in echten Gesprächssituationen: vorbereitete Szenarien und eigene Erfahrungen, mit Rückmeldung der anderen Teilnehmenden

 
Arbeit mit künstlicher Intelligenz: 
Am Ende stellen wir kurz den KI-Avatar des ZHL (ExamSim) vor, mit dem die Teilnehmenden Gesprächs- und Fragesituationen im Anschluss an das Seminar zeitlich und örtlich unabhängig weiterüben können, insbesondere den Umgang mit provokanten Rückfragen. Die Nutzung ist optional und umfasst eine Arbeitseinheit nach Abgabe einer Reflexion; die Zugänge richten wir auf Wunsch ein.


Lernziele des Seminars

Die Teilnehmenden arbeiten im Rahmen des Seminars an folgenden Kompetenzen/nach dem Workshop können die Teilnehmenden: 

  • Fragetypen unterscheiden und für ein konkretes Lernziel gezielt auswählen sowie offene Fragen, Wartezeit und aktives Zuhören so einsetzen, dass aus einer Frage ein Gespräch entsteht.
  • Methoden für die Situation auswählen und einsetzen, in der auf eine Frage keine Antwort kommt (u. a. Murmelgruppe und Classroom-Response-System), und dabei die eigene Gruppengröße berücksichtigen.
  • schwierige und provokante Fragen sowie Fragen an das eigene Nichtwissen mit Hilfe des Vier-Ohren-Modells einordnen und souverän darauf reagieren.
  • Blickkontakt, Standort im Raum und Körpersprache bewusst einsetzen, um eine Frage als Einladung erkennbar zu machen.
  • die eigene Fragepraxis mit den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen abgleichen und das im Seminar Erprobte auf die eigene Lehrsituation übertragen.


Die Referentinnen: 
Dr. Anja Hager arbeitet seit 2018 am Zentrum für Hochschullehre der Universität Bayreuth. Als promovierte Geographin mit Lehramts- und Hochschuldidaktik-Hintergrund bringt sie unterschiedliche Perspektiven zusammen. Im Mittelpunkt steht für sie die Kommunikation: Wie müssen Inhalte vermittelt werden, damit sie wirklich ankommen? Wie entsteht echter Austausch? Und was braucht es, damit Menschen sich beteiligen? In ihren Seminaren verbindet sie didaktische Erfahrung mit digitalen Möglichkeiten und vor allem mit viel Praxis. Ihr Ziel sind Ideen und Methoden, die Lehrende direkt ausprobieren und für ihre eigene Lehre weiterentwickeln können.
Hanna Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Hochschullehre der Universität Bayreuth. Sie studierte Allgemeine Rhetorik sowie Germanistik, Medien- und Kommunikationswissenschaft und beschäftigt sich mit überzeugender Wissensvermittlung, Präsentationskompetenz sowie der Rolle von Sprache und Performanz in Lehrkontexten. In Seminaren und Beratungen unterstützt sie Lehrende dabei, Inhalte adressatenorientiert, strukturiert und wirkungsvoll zu vermitteln.





Universität: Universität Bayreuth
Seminarleitung: Dr. Anja Hager, Hanna Müller
Seminar ID: ZHL WS2627 33S schweigen
Ort:
ZHL der Universität Bayreuth
Nürnbergerstr. 38, Bayreuth
Dieses Seminar findet in Präsenz an der Universität Bayreuth statt. Außenstelle Bürocenter Bayreuth Süd, Zapf Haus 4, Raum 4.2.12-13. Anreise: https://www.zhl.uni-bayreuth.de/de/anfahrt/index.html
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barrierefreier Zugang
Termine: 01.12.2026 , 09:00 - 13:00 Uhr
Kosten:

Es fallen folgende Teilnahmegebühren an:

  • Für alle Lehrenden (wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, Professor*innen, Lehrkräfte für besondere Aufgaben) mit einer Vollzeitstelle (75% bis 100% Arbeitszeit), 20 €
  • Für alle Lehrenden (wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, Professor*innen, Lehrkräfte für besondere Aufgaben) mit einer Teilzeitstelle (bis einschl. 74,9% Arbeitszeit), 12 €
  • Alle Mitglieder der Univ. Bayreuth können einmalig einen Gutschein / Voucher einlösen. Damit ist der Kurs dann kostenfrei! Bitte Kurs buchen und dann hier eintragen. http://plp.zhl-ubt.de/voucher.php?slug=e7bf40782ee5, 0 €

Verfügbare Plätze: 10 Plätze, davon 10 frei
Stufe: Grund- und Aufbaustufe
Anrechenbare Stunden: Bereich A mit 2 Arbeitseinheiten
Bereich B mit 2 Arbeitseinheiten
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