Hausarbeiten mit KI – wie lernen Studierende noch wissenschaftliches Arbeiten? [DiL]
Unseren Studierenden werden wir wissenschaftliches Arbeiten neu beibringen müssen.
Eine Hausarbeit aufzugeben und einige Wochen später einen fertigen Text entgegenzunehmen, reicht dafür immer weniger aus. Studierende können heute KI einsetzen, um Themen zu finden, Literatur zu recherchieren, Gliederungen zu entwickeln, Argumente zu prüfen, Texte zu formulieren, Feedback einzuholen oder Ergebnisse zu visualisieren. Das eröffnet neue Möglichkeiten – macht es aber zugleich schwieriger zu erkennen, welche wissenschaftlichen Kompetenzen Studierende im Arbeitsprozess tatsächlich selbst entwickeln.
Die zentrale Frage dieses Workshops lautet deshalb nicht: Wie verhindern wir, dass Studierende KI verwenden? Sondern: Wie leiten wir sie dazu an, mit KI gewissenhaft, selbstständig und kritisch wissenschaftlich zu arbeiten?
Dabei lohnt sich auch ein Blick darauf, warum Studierende so schnell zu KI greifen. Wissenschaftliches Arbeiten verlangt gleichzeitig sehr viel: ein Thema eingrenzen, eine Forschungsfrage entwickeln, geeignete Literatur finden, fachliche Zusammenhänge verstehen, methodische Entscheidungen treffen, einen Arbeitsprozess organisieren und schließlich einen wissenschaftlichen Text verfassen. Gerade wenig erfahrene Studierende können von dieser Gleichzeitigkeit überfordert sein. KI macht es leicht, einzelne dieser Aufgaben schnell abzugeben.
Lehrende können darauf reagieren, indem sie wissenschaftliche Arbeitsprozesse stärker strukturieren, Erwartungen transparent machen und gezielt Unterstützung anbieten. Das Ziel ist dabei nicht, Studierenden möglichst viele Arbeitsschritte abzunehmen. Im Gegenteil: Gute Anleitung kann Freiräume schaffen, damit Studierende ihre Energie gerade dort einsetzen, wo wissenschaftliches Arbeiten besonders interessant wird – beim Entwickeln eigener Fragen, beim Treffen begründeter Entscheidungen, beim Verbinden von Ideen und beim kritischen Umgang mit Ergebnissen.
Im Workshop entwickeln wir deshalb konkrete Lehrkonzepte für wissenschaftliches Arbeiten mit KI. Wir untersuchen den gesamten Arbeitsprozess und fragen an den einzelnen Stellen:
- Welche wissenschaftliche Kompetenz sollen Studierende hier erwerben?
- Was sollten sie selbst tun und entscheiden?
- Wo kann KI sinnvoll unterstützen?
- Wo sollte ihre Nutzung bewusst begrenzt werden?
- Welche Anleitung, Rückmeldung oder Struktur benötigen Studierende dafür?
Dabei arbeiten wir unter anderem mit unterschiedlichen Formen der KI-gestützten Recherche, der Entwicklung und Prüfung von Forschungsfragen, dem Strukturieren von Informationen, Feedback auf Zwischenprodukte sowie Möglichkeiten, Zusammenhänge und Arbeitsstände beispielsweise mit Diagrammen oder Mermaid-Visualisierungen sichtbar zu machen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der prozessualen Begleitung. Dazu gehören etwa Arbeits- und Lerntagebücher, dokumentierte Zwischenstände, kurze Reflexionsaufgaben, Sprechstunden und Gespräche über den eigenen Arbeitsprozess. Wir diskutieren außerdem bewusst KI-freie Phasen und kleine Challenges: Studierende übernehmen beispielsweise für einen bestimmten Arbeitsschritt die Aufgabe, ohne generative KI zu schreiben, zu argumentieren oder den bisherigen Arbeitsprozess eigenständig zu reflektieren. Nicht als Verbot, sondern als didaktisch begründete Gelegenheit, die eigene wissenschaftliche Stimme und das eigene Denken wahrzunehmen.
Auch digitale Werkzeuge können solche Prozesse unterstützen. Beispiele aus der Universität Bayreuth zeigen unterschiedliche Möglichkeiten: Mit dem Learningbaukasten können Lern- und Arbeitsprozesse über mehrere Schritte strukturiert werden. LearnAssist ermöglicht vorbereitetes KI-Feedback etwa auf Forschungsfragen, Exposés, methodische Überlegungen oder Reflexionen. Mit ExamSim können Studierende ihren aktuellen Arbeitsstand verbalisieren und durch Rückfragen auf eine spätere Sprechstunde mit einer Lehrperson vorbereitet werden. Die Werkzeuge werden im Workshop kurz eingeordnet; eigene Veranstaltungen widmen sich ihrer praktischen Anwendung ausführlicher.
Prüfungsrechtliche und prüfungsdidaktische Fragen werden angesprochen, stehen an diesem Tag aber nicht im Mittelpunkt. Dafür ist unter anderem der Workshop „Grundlagen des Prüfens“ am 14. Dezember vorgesehen (https://profilehreplus.de/seminare/grundlagen-des-pruefens-0f22b5790c). Oder "Prüfungsrecht" am 11.1.27 (https://profilehreplus.de/seminare/pruefungsrecht-fuer-praesenz-und-online-pruefungen-im-zeitalter-v...)
Nach dem Workshop können Sie
- einen wissenschaftlichen Arbeitsprozess in sinnvolle Lern- und Arbeitsschritte gliedern,
- entscheiden, an welchen Stellen KI wissenschaftliches Arbeiten sinnvoll unterstützen kann und an welchen Stellen Eigenleistung besonders wichtig ist,
- Studierende beim Einsatz von KI in Recherche, Strukturierung, Schreiben, Feedback und Darstellung methodisch anleiten,
- Reflexionsaufgaben, Zwischenstände, Gespräche und KI-freie Arbeitsphasen gezielt in den Prozess integrieren,
- ein eigenes Begleitkonzept entwickeln, mit dem Studierende wissenschaftliches Arbeiten mit KI zunehmend selbstständig, kritisch und verantwortlich durchführen können.
Im Workshop arbeiten Sie an einem eigenen Beispiel aus Ihrer Lehre. Am Ende des Tages steht ein erster konkreter Entwurf dafür, wie Sie Studierende künftig durch einen wissenschaftlichen Arbeitsprozess mit KI führen möchten.
Auftakt zu einer Reihe 2027
Der Workshop bildet zugleich den Auftakt zu einem Schwerpunkt des Zentrums für Hochschullehre im Jahr 2027: Wie können wir Studierende beim Lernen und wissenschaftlichen Arbeiten mit KI gut anleiten?
Dafür betrachten wir in weiteren Veranstaltungen einzelne Phasen und Werkzeuge genauer. Bereits bestehende Angebote der Reihe „KI im Lernprozess“ greifen diese Perspektive auf: Wie lassen sich beispielsweise Selbstlernphasen begleiten? Wie können Studierende durch KI-gestützte Gespräche ihr Verständnis überprüfen und sich auf Prüfungsgespräche, Referate oder andere mündliche Situationen vorbereiten? Welche Formen von Feedback können wir Studierenden während eines Arbeitsprozesses anbieten?
2027 wollen wir diese Fragen systematisch weiterführen – von der Themenfindung und Recherche über Schreiben, Feedback und Reflexion bis zum Gespräch über die eigenen Ergebnisse.
Dozentin: Dr. Susanne Frölich-Steffen
Didaktik- und Kommunikationsberaterin; bis 1998 Studium der Politikwissenschaften an der LMU München; 1998 – 2000 Personalreferentin einer mittelständischen Unternehmensberatung, 2000 - 2003 Promotion zum Dr. phil, 2000 - 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Geschwister-Scholl-Institut der LMU, seit 2005 freiberufliche Rhetorik- und Didaktikberatung. www.rede-schulung.de
| Universität: | Universität Bayreuth |
|---|---|
| Seminarleitung: | Dr. Susanne Frölich-Steffen |
| Seminar ID: | ZHL WS2627 38S wissKI |
| Ort: |
Zentrum für Hochschullehre, Uni Bayreuth
Nürnbergerstr. 38, Bayreuth This seminar will take place entirely online and will be organised via Zoom. You will need a computer with a microphone and a camera. You will receive further details by email. Auf Google Maps anzeigen |
| Termine: |
22.10.2026
, 09:00 - 16:00 Uhr
|
| Kosten: |
Es fallen folgende Teilnahmegebühren an:
|
| Verfügbare Plätze: | 12 Plätze, davon 12 frei |
| Stufe: | Grund- und Aufbaustufe |
| Anrechenbare Stunden: |
Bereich A mit 4 Arbeitseinheiten Bereich C mit 4 Arbeitseinheiten |
Meine Merkliste
Sie haben noch keine Seminare auf der Merkliste.
Um Seminare buchen zu können müssen Sie sich zuerst einloggen (siehe oben) oder neu registrieren.


